Wissenswertes rund um Kork

Korkwälder und die Produktion von Kork

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Wer im Sommer schon einmal durch einen Korkeichenwald spaziert ist, hat sie vielleicht gesehen, die schwer schuftenden Arbeiter bei der Korkernte. Die Korkeiche steht jetzt „voll im Saft“ und lässt sich daher leicht schälen. Bis in den August hinein, bei flirrender Hitze, schälen die Arbeiter die Rinde wie sie es bereits seit Jahrhunderten praktizieren. Meist zu zweit und äußerst vorsichtig treiben sie mit ihren Äxten gezielt Kerben und Schnitte in die Rinde, immer darauf bedacht, den Stamm nicht zu verletzen. Die Rinde wird dann ganz vorsichtig, möglichst in großen Stücken, vom Baum abgelöst. Bis es allerdings soweit ist, dass die Rinde erstmalig geschält werden kann, muss eine Korkeiche mindestens 25 Jahre alt sein und in 1,50 Meter Höhe – vom Boden gemessen – mindestens einen Stammdurchmesser von 70 Zentimetern erreicht haben. Die Rinde sollte ungefähr vier Zentimeter dick sein. Die erste Ernte mit ihrer unregelmäßigen Struktur genannt „Jungfrauenkork“ oder „männlicher Kork“, wird meist zu Granulat und dann zum Beispiel zu Dämmmaterial und Fußbodenbelägen weiterverarbeitet. Alle folgenden Schälungen werden „weiblicher Kork“ genannt. Erst die dritte Schälung, wenn die Eiche circa 40 Jahre alt ist, eignet sich für die Weiterverarbeitung zu feineren Korkprodukten, Stoffen und Naturkorken für hochwertige Weine, Sekt und Champagner. Dann kann die Eiche einen Durchmesser von einem Meter erreicht haben und die Rinde am Stamm und an den dickeren Ästen geerntet werden.

Gut zu wissen, dass der Korkeiche durch die Ernte kein Schaden zugefügt wird, ganz im Gegenteil: Wenn sie nicht in einem bestimmten Rhythmus geschält wird, reißt die Rinde so auf, dass sie für die Korkenproduktion wertlos wird.

Korkherstellung

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Die Rinde wird nach der Schälung, sortiert nach Qualität, zu Sammelplätzen gebracht, um dort sechs Monate ohne Kontakt zum Boden bei Sonne und Wind zu trocknen. Diese Phase wird „Seasoning“ bzw. Ruhe- oder Stabilisierungsphase genannt.

Danach wird der Kork bei knapp unter 100 Grad im Wasserbad mindestens eine Stunde lang in einer sogenannten Dämpf- oder Kochgrube gekocht. Das bewirkt, dass Insekten, die sich dort eingenistet haben, abgetötet werden, der Gerbstoff Tannin größtenteils ausgewaschen und die Rinde nicht mehr gebogen ist sondern flach und weich wird und sich sogar ihr Volumen vergrößert.

Anschließend ruht der Kork nochmals für circa ein bis drei Wochen in einem Zwischenlager, um final sortiert und weiterverarbeitet zu werden.

Aus dem Innenteil der Rinde können Korken produziert werden, aus den Resten der Korkenproduktion und dem äußeren Teil Bodenbeläge, Dämmmaterial oder ähnliches.

Nur aus dem mittleren Teil kann zum Beispiel Korkstoff auch Korkleder oder Korkhaut genannt – produziert werden, wenn der Kork den hohen Qualitätsanforderungen des Herstellers genügt.

Die circa 1,5 Zentimeter dicken Korkplattenstücke werden mit einem natürlichen, organischen Kleber zu größeren Platten untrennbar und dauerhaft verbunden. Anschließend werden die Korkschichten mit scharfen Klingen sehr dünn geschnitten, aufbereitet und auf einem Gewebe-Trägermaterial aufgebracht. Kork wird auch beim Bootsbau, in der Raumfahrt, in Autos, zur Herstellung von Tapeten, Möbeln, Kleidung, Schuhen und Accessoires verwendet.

Die Korkeiche

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Die Korkeiche ist ein immergrüner Laubbaum, der das ganze Jahr über seine Blätter erneuert. Sie zählt zu den Zerreichen, einer Untergruppe der Gattung Eichengewächse (Quercus spp.). Bereits vor Millionen von Jahren gab es die ersten Korkeichen.

Ihr heutiges Verbreitungsgebiet erreichte die Korkeiche wohl nach der letzten Eiszeit – vor circa 10 000 Jahren. Es erstreckt sich über den westlichen Mittelmeerraum: von Italien und Frankreich über Spanien und Portugal bis nach Nordafrika – Algerien, Tunesien und Marokko; im Hohen Atlas kann die Korkeiche sogar in Höhenlagen von bis zu 2000 Metern wachsen. Sie benötigt ein besonderes Klima, da sie ein wärmeliebender Baum ist. Außerdem braucht die Korkeiche viel Licht und einen mageren oder trockenen Boden. Ihre Standfestigkeit erreicht sie sowohl über ein weit verzweigtes Netz aus horizontalen Wurzeln, als auch über Wurzeln, die sich bis tief in die Erde bohren können und mit denen sie Grundwasser erreichen kann. Korkeichen beugen Erosion und Versteppung vor. In Trockenzeiten wird ihr Wachstum und ihr Stoffwechsel einschränkt und der durch Verdunstung hervorgerufene Wasserverlust reduziert, indem sie die Spaltöffnungen an der Blattunterseite schließen. Durch ihre dichte Baumkrone kann sie mehr Regenwasser binden, das in den unterhalb der Baumkrone weniger ausgetrockneten und daher durchlässigeren und nährstoffreicheren Boden fließt. Sie reguliert somit auch den Wasserkreislauf.

Waldbrände können ihr nur wenig anhaben, denn bei einem Brand schützt die dicke Korkrinde die Wachstumsschicht im Bauminnern vor Hitze und Zerstörung.

Portugal

In Portugal liegt circa ein Drittel aller Korkeichenwaldflächen des westlichen Mittelmeerraums; hier wachsen Korkeichen auf über 700 000 Hektar Land. Die Alentejo-Region – ein riesiges Gebiet, das nördlich der Algarve beginnt und bis an die Lissabon-Region heranreicht – verfügt anteilig über die größten Flächen mit natürlichen und angepflanzten Korkeichen. Jährlich werden in Portugal circa 160 000 Tonnen Kork verarbeitet. Fast 70 Prozent des weltweit gewonnenen Korks wird zu Naturkorken verarbeitet – ein Großteil dieser Naturkorken wiederum wird in Portugal produziert. Aus Portugal stammen auch unsere Korkprodukte. In Portuagal wird die Korkeiche alle 9 Jahre geschält. Die geschälten Bäume werden nach der Ernte mit der letzten Ziffer des Jahres markiert, in dem die Schälung stattgefunden hat, damit man weiß, wann die nächste Ernte erfolgen darf. Um eine hohe Qualität des Korks zu erreichen, muss der Ernte, also der Schälrhythmus eingehalten werden.

Die Korkernte gehört übrigens auch in Portugal zu den bestbezahlten Arbeiten in der Landwirtschaft, denn dieses Handwerk kann durch keine Maschine ersetzt werden.

Korkeichenwälder als Kulturlandschaft

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Korkeichenwälder sind eine Kulturlandschaft, die zudem viel Kohlendioxid speichert und so einen wertvollen Beitrag zur Klimaverbesserung leistet. Sie werden nicht nur als Quelle für Kork, sondern auch als Acker- und Weideland genutzt. Zudem tragen sie zum Erhalt einer einzigartigen Flora und Fauna bei. Die Korkeichenwälder, ob natürlich oder angepflanzt, sind eine einmalige Landschaft für besonders seltene, bedrohte und geschützte Tierarten, egal ob Zwei- oder Vierbeiner, sie dienen zum Beispiel als Zufluchtsort oder Brutplatz in der dichten Krone oder als Landeplatz für Zugvögel während ihres langes Fluges. Es leben dort unter anderem folgende Tiere

Iberische Luchse oder Pardelluchse – die weltweit am stärksten bedrohte Raubkatzenart

  • Hirsche
  • Wildkaninchen
  • Füchse
  • Wildkatzen
  • Steinadler
  • Schlangenadler, Zwergadler, Spanischer Kaiseradler eine vom Aussterben bedrohte Raubvogelart
  • Habichtsadler
  • Gleitaare
  • Schwarzkraniche
  • Grauammer
  • Häherkuckucke
  • Rebhühner
  • Wiedehopfe
  • Schmetterlinge und andere Insekten, die die immergrünen Blätter als Nahrung sehr schätzen

Pflanzen, die sich gerne in Korkeichenwäldern ansiedeln, sind unter anderem: 

  • andere Eichen- und Kiefernarten
  • Erdbeerblume
  • Montpellier-Zistrosen
  • Myrten
  • Heidekraut
  • Pilze, auch essbare, und diese stehen daher auf der Speisekarte von Einheimischen und Touristen stehen. Die Speisepilze sorgen so für eine weitere wichtige Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft.

Kork und seine Eigenschaften

  • Kork ist: ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff 
  • weich und geschmeidig
  • fühlt sich warm an
  • wasser-, fett- und schmutzabweisend
  • leicht zu reinigen 
  • formbeständig und dennoch elastisch 
  • sehr leicht 
  • antiallergisch
  • antiasthmatisch 
  • schwer entflammbar 
  • strapazierfähig 
  • rutschfest 
  • langlebig 
  • nachhaltig 
  • stark isolierend (Kälte, Wärme, Strom, Flüssigkeiten) 
  • schalldämmend
  • ökologisch 
  • rein biologisch
  • vegan - eine echte Alternative zu Leder 
  • nicht nur zu 100 % verwertbar, sondern auch zu 100 % recycelbar

 

Die Bilder wurden uns freundlicherweise vom Deutschen Korkverband zur Verfügung gestellt. Noch mehr tolle Bilder zum Thema Kork finden Sie bei APCOR / DKV.